Die Wirtschaftlichkeit eines Windprojekts entscheidet sich an sechs Rechengrößen: spezifische Investitionskosten je Kilowatt, Volllaststunden, anzulegender Wert nach Standortgüte, Betriebskosten, Kapitaldienst und die Deckungskennzahlen. Für die einen gibt es veröffentlichte Bandbreiten mit Herausgeber und Erhebungsjahr, für die anderen nicht. Dieser Beitrag zeigt, welche Zahl woher stammt und wie sie zusammenwirken.
Sechs Rechengrößen, sechs Fundstellen
Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für ein Windprojekt besteht aus wenigen Größen, die aufeinander aufbauen: den spezifischen Investitionskosten je Kilowatt, den Volllaststunden, dem anzulegenden Wert je Kilowattstunde, den Betriebskosten, dem Kapitaldienst und den Deckungskennzahlen. Jede hat eine eigene Fundstelle, und keine ersetzt eine andere. Reservekonten, Ausschüttungssperre und Sicherheiten behandelt der Beitrag Windpark-Cashflow; hier geht es um die Rechengrößen selbst.
Erlös = Ertrag × anzulegender Wert
Cashflow vor Kapitaldienst = Erlös − Betriebskosten
DSCR = Cashflow vor Kapitaldienst ÷ Kapitaldienst des Jahres
Investitionskosten je Kilowatt
Die regelmäßig fortgeschriebene Erhebung stammt von der Deutschen WindGuard, zuletzt in der Kostensituation der Windenergie an Land, Stand 2025, veröffentlicht am 02.12.2025 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie trennt Hauptinvestitionskosten und Investitionsnebenkosten und weist die Hauptkosten nach Leistungsklassen aus.
| Leistungsklasse | Euro je Kilowatt |
|---|---|
| 4 bis unter 5 MW | 960 bis 1.140 |
| 5 bis unter 6 MW | 1.030 bis 1.250 |
| 6 bis unter 7 MW | 1.100 bis 1.300 |
| 7 MW und mehr | 990 bis 1.240 |
Hinzu kommen Investitionsnebenkosten. Für Anlagen mit Inbetriebnahme zwischen 2025 und 2028 nennt dieselbe Erhebung 550 Euro je Kilowatt ohne Fundament, davon 30 Prozent Planung und 24 Prozent Netzanbindung. Eine 6-MW-Klasse liegt damit in der Summe bei rund 1.650 bis 1.850 Euro je Kilowatt. Zwei Einschränkungen: Bauzeitzinsen und Finanzierungsnebenkosten sind in den 550 Euro nicht ausgewiesen und gehören gesondert in die Investitionssumme; und Netzanbindung wie Erschließung sind standortabhängig.
Volllaststunden und anzulegender Wert
Die Erlösseite entsteht aus zwei Größen, die getrennt belegt werden müssen. Die Volllaststunden bestimmen die Menge. Das Fraunhofer ISE setzt in der Ausgabe Juli 2024 für das deutsche Binnenland 1.800, für Norddeutschland 2.500 und für küstennahe, windreiche Standorte 3.200 Volllaststunden an. Der anzulegende Wert bestimmt den Preis: Er ist das Produkt aus dem Zuschlagswert der EEG-Ausschreibung und dem Korrekturfaktor zum Gütefaktor nach § 36h Absatz 1 EEG, gerundet nach § 36h Absatz 5 EEG auf zwei Stellen. Beim Gebotstermin 01.05.2026, bekannt gegeben am 25.06.2026, lag der mengengewichtete Zuschlagswert bei 5,06 ct/kWh. Die Fachagentur Wind und Solar weist für 2.759 bezuschlagte Anlagen mit Stand Juni 2025 einen mittleren Gütefaktor von 74 Prozent aus, Median 73 Prozent; dazu gehört ein interpolierter Korrekturfaktor von 1,24. Aus 5,06 ct/kWh werden so 6,27 ct/kWh. Wie der Gütefaktor ermittelt und dreimal nachgeprüft wird, steht unter Standortgüte.
Volllaststunden und Gütefaktor sind nicht ineinander umrechenbar. Die Volllaststunden beziehen den Ertrag auf die Nennleistung, der Gütefaktor auf den Referenzertrag genau dieses Anlagentyps in genau dieser Nabenhöhe. Beide Werte stammen deshalb aus dem Ertragsgutachten des Projekts, nicht auseinander.
Betriebskosten
Die Deutsche WindGuard nennt für Inbetriebnahmen 2025 bis 2028 durchschnittliche jährliche Betriebskosten von 51 Euro je Kilowatt in der ersten und 53 Euro je Kilowatt in der zweiten Dekade. Die Aufteilung ist für die Modellierung wichtiger als der Gesamtwert: Pacht 39 Prozent, Wartung und Instandhaltung 27 Prozent, Betriebsführung 9 Prozent, Direktvermarktung 6 Prozent, Rückbau 5 Prozent, Versicherung 2 Prozent. Wer neben diesen 51 Euro noch einmal eine Pacht ansetzt, rechnet sie doppelt; wer eine umsatzabhängige Pacht als Fixbetrag führt, verschiebt sie in den Szenarien in die falsche Richtung.
Wer die Größen dieses Beitrags mit eigenen Zahlen durchrechnen will, findet sie im Repowering-Wirtschaftlichkeitsrechner zusammengeführt, einschließlich Belastungsprobe.
Kapitaldienst und Deckungskennzahl
Der Kapitaldienst ist die einzige Größe der Kette, die aus keiner Erhebung stammt. Er folgt aus Investitionssumme, Eigenkapitalanteil, Laufzeit und Konditionen; veröffentlicht sind davon nur die ersten drei. Die Deutsche WindGuard ermittelt für Projekte mit Inbetriebnahme 2025 bis 2028 einen mittleren Eigenkapitalanteil von 15 Prozent und rechnet mit einem Betrachtungszeitraum von 20 Jahren. Die Konditionen stehen im Angebot der Bank, nicht in einer Statistik. Die Rechnung wird deshalb umgedreht: Aus Ertrag und Kosten wird abgeleitet, welchen Kapitaldienst das Projekt trägt.
| Windpark mit 3 Anlagen zu je 6.000 kW | 18.000 kW |
| Investitionssumme, 1.200 Euro/kW Hauptkosten plus 550 Euro/kW Nebenkosten | 31.500.000 Euro |
| Eigenkapital, 15 Prozent | 4.725.000 Euro |
| Kreditbetrag, 85 Prozent | 26.775.000 Euro |
| Ertrag bei 2.500 Volllaststunden | 45.000 MWh |
| Erlös bei 6,27 ct/kWh | 2.821.500 Euro |
| Betriebskosten, 51 Euro/kW | − 918.000 Euro |
| Cashflow vor Kapitaldienst | 1.903.500 Euro |
| tragbarer Kapitaldienst bei DSCR 1,00 | 1.903.500 Euro |
| tragbarer Kapitaldienst bei DSCR 1,20 | 1.586.250 Euro |
Die Gegenprobe macht den Korridor sichtbar. 1.586.250 Euro sind 5,9 Prozent der Kreditsumme je Jahr, Zins und Tilgung zusammen. Ein Kredit, der in 20 Jahren vollständig zurückgeführt wird, bindet allein für die Tilgung im Mittel 5 Prozent der Kreditsumme je Jahr; der Rest ist der Spielraum. Fällt der Ertrag im selben Beispiel auf 2.200 Volllaststunden, trägt das Projekt bei DSCR 1,20 nur noch einen Kapitaldienst von 1.304.100 Euro, also 4,9 Prozent der Kreditsumme und damit weniger, als die Tilgung allein erfordert. Zwischen beiden Ertragswerten liegen zwölf Prozent Menge; die Finanzierbarkeit kippt dazwischen. Welcher P-Wert des Ertragsgutachtens angesetzt wird, entscheidet deshalb über die Finanzierbarkeit und nicht nur über die Darstellung.
Einen Zielwert für den Kapitaldienstdeckungsgrad veröffentlicht für Onshore-Projekte kein deutsches Institut. Belegt ist nur eine Untergrenze: Die DKB nannte auf den Windenergietagen 2017 als Bedingung, dass die Kapitaldienstfähigkeit laut Cashflow-Modell mit DSCR größer 1 gesichert sein muss. Maßgeblich ist das schwächste Jahr der Laufzeit, nicht der Durchschnitt; die Kennzahl im Einzelnen behandelt der Beitrag DSCR.
Stromgestehungskosten als Gegenprobe
Die Stromgestehungskosten fassen Investition, Betrieb und Kapitalkosten in einem Wert je Kilowattstunde zusammen und sind mit dem anzulegenden Wert unmittelbar vergleichbar. Das Fraunhofer ISE nennt in der Ausgabe Juli 2024 für Windenergie an Land 4,3 bis 9,2 ct/kWh; die Spanne bildet Standort und Investitionskosten ab. Die Deutsche WindGuard hat zur Ausgabe Stand 2024 am 13.12.2024 mitgeteilt, dass die mittleren Kosten an einem Standort mit einer Standortgüte von 70 bis 80 Prozent bei 7,6 bis 8,5 ct/kWh liegen. Beide Werte stammen aus früheren Erhebungsjahren als der Zuschlagswert vom Mai 2026. Der anzulegende Wert von 6,27 ct/kWh an einem 74-Prozent-Standort liegt unter der zuletzt veröffentlichten Kostenspanne für vergleichbare Standortgüten. Diese Lücke ist mit projektbezogenen Angeboten zu schließen, nicht mit einem Aufschlag auf den Zuschlagswert.
Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalrendite ist die letzte Größe der Kette und die am schlechtesten belegte. Rechnerisch ist sie der Cashflow nach Kapitaldienst, nach Steuern und nach Zuführung zu den Rückstellungen, bezogen auf das eingezahlte Eigenkapital; über die Laufzeit ist sie der interne Zinsfuß der Eigenkapitalzahlungsreihe einschließlich Rückbau. Im Beispiel oben blieben bei einem DSCR von 1,20 rund 317.000 Euro im Jahr auf 4.725.000 Euro Eigenkapital, also 6,7 Prozent. Das ist eine Barquote eines einzelnen Jahres vor Steuern und vor Zuführung zur Rückbaurückstellung, keine Rendite über zwanzig Jahre.
Tatsächlich erzielte Eigenkapitalrenditen deutscher Onshore-Windparks veröffentlicht keine Institution. Der einzige zitierfähige Anhaltspunkt ist eine Annahme: Die Deutsche WindGuard unterstellt in der Kostenrechnung Stand 2025 über alle Standortgüten eine erforderliche Eigenkapitalverzinsung von 8 Prozent. Das ist ein Eingangsparameter einer Kostenstudie, kein Marktwert und kein Ergebnis. Wer eine Renditeerwartung in eine Unterlage schreibt, muss sie aus der eigenen Zahlungsreihe herleiten und die Annahmen dazuschreiben.
Was nicht veröffentlicht ist
- Kein Marktwert für das Direktvermarktungsentgelt; in das Modell gehört der Wert aus dem eigenen Angebot.
- Kein bundesweiter Satz für die Rückbausicherheit; Höhe und Form richten sich nach Landesrecht und Genehmigung.
- Kein veröffentlichter DSCR-Zielwert für Onshore-Projekte.
- Keine Statistik über erzielte Eigenkapitalrenditen von Windparks.
- Keine veröffentlichten Projektkonditionen; der Kapitaldienst kommt aus dem Angebot der Bank und ist deshalb im Modell abzuleiten, nicht zu schätzen.
An diesen fünf Stellen entscheidet das eingeholte Angebot; eine Unterlage, die dort mit Erfahrungswerten arbeitet, wird nachgefordert.
Die Zuschlagswerte der letzten Gebotstermine stehen unter EEG-Ausschreibungen Wind an Land.
Weisen Sie den Kapitaldienstdeckungsgrad je Jahr aus, nicht als Durchschnitt über die Laufzeit. Der Durchschnitt verdeckt genau die Jahre, in denen der Kapitaldienst am höchsten und der Ertrag am unsichersten ist, und das sind die Jahre, die die Bank rechnet. Peak Advisors rechnet die Wirtschaftlichkeit vor der ersten Kreditanfrage durch und kennzeichnet jede Position, die noch auf einem Angebot beruht statt auf einem Vertrag. Projektfinanzierungen begleiten wir ab einem Finanzierungsvolumen von 5.000.000 Euro, Bauträgerfinanzierungen ab 1.000.000 Euro, im Übrigen ab 250.000 Euro.
Häufige Fragen
Welche Größen trägt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für einen Windpark?
Spezifische Investitionskosten je Kilowatt, Volllaststunden, anzulegender Wert je Kilowattstunde, Betriebskosten je Kilowatt und Jahr, Kapitaldienst und die Deckungskennzahlen. Ertrag ist Leistung mal Volllaststunden, Erlös ist Ertrag mal anzulegender Wert, davon gehen die Betriebskosten ab, der Rest deckt den Kapitaldienst.
Womit ist bei den Investitionskosten je Kilowatt zu rechnen?
Die Deutsche WindGuard nennt in der Kostensituation der Windenergie an Land, Stand 2025, für 2025 Hauptinvestitionskosten von 1.100 bis 1.300 Euro je Kilowatt in der Klasse 6 bis unter 7 MW und Investitionsnebenkosten von 550 Euro je Kilowatt ohne Fundament. Bauzeitzinsen und Finanzierungsnebenkosten sind darin nicht ausgewiesen.
Wie hoch sind die Stromgestehungskosten der Windenergie an Land?
Das Fraunhofer ISE nennt in der Studie Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien, Ausgabe Juli 2024, 4,3 bis 9,2 ct/kWh bei spezifischen Anlagenkosten von 1.300 bis 1.900 Euro je Kilowatt und 1.800 bis 3.200 Volllaststunden. Die Deutsche WindGuard nannte am 13.12.2024 für Standortgüten von 70 bis 80 Prozent 7,6 bis 8,5 ct/kWh.
Wie kommt man vom Zuschlagswert zum Erlös je Kilowattstunde?
Der Zuschlagswert wird nach § 36h EEG mit dem Korrekturfaktor zum Gütefaktor multipliziert und auf zwei Stellen gerundet. Beim Gebotstermin 01.05.2026 lag der mengengewichtete Zuschlagswert bei 5,06 ct/kWh; beim bundesweit mittleren Gütefaktor von 74 Prozent und dem interpolierten Faktor 1,24 ergeben sich 6,27 ct/kWh.
Mit welchen Betriebskosten ist zu rechnen?
51 Euro je Kilowatt und Jahr in der ersten und 53 Euro in der zweiten Dekade, nach der Erhebung der Deutschen WindGuard für Inbetriebnahmen 2025 bis 2028. Die Pacht steckt mit 39 Prozent bereits darin und darf nicht ein zweites Mal angesetzt werden.
Welche Eigenkapitalrendite lässt sich belegen?
Keine. Tatsächlich erzielte Renditen deutscher Onshore-Windparks veröffentlicht keine Institution. Zitierfähig ist nur eine Rechenannahme: Die Deutsche WindGuard unterstellt in der Kostenrechnung Stand 2025 eine erforderliche Eigenkapitalverzinsung von 8 Prozent.
Quellen
- Deutsche WindGuard, Kostensituation der Windenergie an Land – Stand 2025, Investitionskosten je Leistungsklasse, Investitionsnebenkosten 550 Euro/kW, Betriebskosten 51 und 53 Euro/kW, Eigenkapitalanteil 15 Prozent, Betrachtungszeitraum 20 Jahre, angenommene Eigenkapitalverzinsung 8 Prozent, Stand 02.12.2025 Quelle
- Deutsche WindGuard, Pressemitteilung zur Kostensituation der Windenergie an Land, Stromgestehungskosten 7,6 bis 8,5 ct/kWh bei Standortgüte 70 bis 80 Prozent, Stand 13.12.2024 Quelle
- Fraunhofer ISE, Studie Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Wind an Land 4,3 bis 9,2 ct/kWh, Anlagenkosten 1.300 bis 1.900 Euro/kW, 1.800 bis 3.200 Volllaststunden, Ausgabe Juli 2024 Quelle
- Bundesnetzagentur, Pressemitteilung zur Ausschreibung Wind an Land zum Gebotstermin 1. Mai 2026, Zuschlagswerte 4,44 bis 5,19 ct/kWh, mengengewichtet 5,06 ct/kWh, Stand 25.06.2026 Quelle
- Bundesministerium der Justiz, § 36h EEG, Anpassung des anzulegenden Werts an die Standortgüte, Korrekturfaktoren und Rundung nach Absatz 5, Fassung vom 18.12.2025, abgerufen 11.09.2026 Quelle
- Fachagentur Wind und Solar, Analyse Gütefaktoren von Windenergieanlagen an Land mit Ausschreibungszuschlag, Mittel 74 Prozent, Median 73 Prozent, 2.759 Anlagen, Stand Juni 2025 Quelle
- Windenergietage, J.-U. Fischer (DKB), Projektfinanzierung Windenergie, Bedingung DSCR größer 1, Stand 08.11.2017 Quelle
Alle Angaben mit Stand 13.09.2026. Diese Seite erklärt Begriffe und Mechanik, sie ersetzt keine Beratung im Einzelfall.