Ein Scale-up ist ein Unternehmen, das die Gründungsphase hinter sich hat und über mehrere Jahre stark wächst. Die Finanzierung fällt zwischen zwei Stühle: Für klassisches Fremdkapital fehlt die profitable Bilanzhistorie, für reines Beteiligungskapital ist die Verwässerung oft zu teuer. Dazwischen liegen Venture Debt, Mezzanine und die Bausteine des Bundes, die privates Kapital ergänzen statt ersetzen.
Was ein Scale-up ist und warum die Definition strittig bleibt
Der Begriff hat keine gesetzliche Definition, und keine amtliche Statistik führt „Scale-up" als eigene Kategorie. Statistisch nutzbar ist allein die Abgrenzung des schnell wachsenden Unternehmens, die Eurostat und die OECD gemeinsam gesetzt haben: mindestens 10 Beschäftigte zu Beginn des Beobachtungszeitraums und ein durchschnittliches jährliches Beschäftigungswachstum von mehr als 10 Prozent über drei Jahre (Eurostat, Statistics Explained, High-growth enterprises, abgerufen 08.09.2026). Wer in Marktberichten 20 Prozent liest, zitiert die ältere Fassung aus dem Eurostat-OECD-Handbuch zur Unternehmensdemografie von 2007; Eurostat hat die Schwelle nach Pilotstudien auf 10 Prozent gesenkt. Neben der Beschäftigtenzahl führt Eurostat eine freiwillige Variante über den Umsatz mit derselben Wachstumsschwelle. Vor jeder Zahl ist deshalb zu klären, welche Bezugsgröße gemeint ist.
Wie unscharf der Sprachgebrauch ist, zeigt eine Auswertung von KfW Research: Nach der weiten Selbsteinschätzung nennen 27 Prozent der Gründerinnen und Gründer ihr Unternehmen ein Start-up, nach einer engen Definition erfüllen nur 6 Prozent die Merkmale (KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 483, 20.01.2025). Die dort verglichenen Abgrenzungen widersprechen einander offen: Der Deutsche Startup Monitor des Startup-Verbands zählt Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind und entweder innovativ arbeiten oder Wachstum anstreben; KfW Research selbst setzt fünf Jahre seit Gründung an. Ein Unternehmen kann also nach einer Definition Start-up und nach der anderen längst keines mehr sein.
Für die Finanzierung zählt ohnehin nicht das Etikett, sondern der Zustand: ein am Markt bestätigtes Geschäftsmodell, wiederkehrende Erlöse, aber ein negatives oder gerade erst positives Ergebnis, weil Wachstum vorfinanziert wird. Genau diese Kombination ist der Grund, warum die üblichen Kreditkennzahlen nicht greifen. Die Abgrenzung nach unten führt zur Existenzgründung, bei der noch keine Historie vorliegt, die Abgrenzung zur Seite zur klassischen Wachstumsfinanzierung des Mittelstands, bei der die Bank auf Jahresabschlüsse und Sicherheiten zurückgreifen kann.
Drei Erhebungen, drei Bezugsgrößen
Zum deutschen Venture-Capital-Markt kursieren Zahlen, die sich um den Faktor drei unterscheiden. Der Grund ist keine Unsicherheit, sondern eine unterschiedliche Zählweise. Wer eine Marktzahl verwendet, muss die Erhebung und den Berichtszeitraum mitnennen.
| Erhebung | Berichtszeitraum | Wert | Bezugsgröße |
|---|---|---|---|
| BVK-Statistik, Charts, Stand März 2026 | Kalenderjahr 2025 | 2.234 Mio. € Venture Capital, davon 931 Mio. € Later-Stage | Investitionen von Beteiligungsgesellschaften in deutsche Unternehmen, Datenbasis European Data Cooperative; Gesamtmarkt 15.689 Mio. € in 897 Unternehmen |
| KfW Research, Venture-Capital-Dashboard Q4 2025 | Kalenderjahr 2025 | 7,2 Mrd. € in 1.444 Deals | Dealvolumen am deutschen VC-Markt, Datenbasis Dealroom.co, Datenstand 05.01.2026 |
| EY Startup-Barometer, 22.07.2026 | 1. Halbjahr 2026 | 5,3 Mrd. € in 354 Runden | Finanzierungsrunden deutscher Start-ups, gleich welcher Investorenherkunft; plus 14 Prozent Volumen, minus 11 Prozent Runden gegenüber dem Vorjahreszeitraum |
Aus dem EY-Befund folgt für Scale-ups unmittelbar etwas: Runden über 50 Millionen Euro machten im ersten Halbjahr 2026 rund 67 Prozent des Volumens aus, nach 55 Prozent im Vorjahreszeitraum, bei gleichzeitig gesunkener Rundenzahl. Das Kapital ist da, es verteilt sich aber auf weniger und größere Adressaten. Für ein Unternehmen unterhalb dieser Größe verschiebt sich das Gewicht auf Fremdkapitalbausteine.
Die Instrumente nach Phase
Beteiligungskapital, klassisches Fremdkapital, Venture Debt und Mezzanine-Kapital beantworten dieselbe Frage unterschiedlich: Wer trägt das Risiko, und wogegen?
| Instrument | Was der Geber verlangt | Größenordnung |
|---|---|---|
| Beteiligungskapital, Venture Capital | Anteile, Mitspracherechte, Exit-Perspektive; ein Lead-Investor setzt die Bewertung | keine amtliche Betragsgrenze |
| Venture Debt, Venture Tech Growth Financing (803/866) | beteiligter professioneller Wagniskapitalgeber, privater Kreditgeber als Konsortialpartner | KfW-Risikoanteil 0,5 bis 125 Mio. € |
| Wachstumskredit, ERP-Förderkredit KMU (366) | Kapitaldienstfähigkeit, Sicherheiten, mindestens 2 Jahre am Markt; 50 Prozent Haftungsfreistellung der Hausbank | bis 25 Mio. € Investitionen sowie Übernahme und Beteiligung, je bis 7,5 Mio. € Betriebsmittel und Warenlager; Betriebsmittel- und Warenlagerkredite über 2 Mio. € höchstens 30 Prozent der letzten Bilanzsumme der Unternehmensgruppe |
| Innovationskredit, ERP-Förderkredit Innovation (513/514) | in der Regel 5 Jahre am Markt; Ausnahme für Unternehmen unter 7 Jahren mit mindestens 5 Prozent Forschungsanteil an den Betriebskosten | 7,5 Mio. € Stufe 1, bis 25 Mio. € Stufen 2 und 3 |
| Mezzanine | Nachrang, Ergebnisbeteiligung oder Optionskomponente statt Sachsicherheit | vertraglich frei |
Venture Debt ist Fremdkapital, das nicht gegen Sicherheiten, sondern gegen die bereits vorhandene Eigenkapitalausstattung und die Qualität der Investoren vergeben wird. Es verwässert die Anteile nicht oder nur über Optionskomponenten und schont damit die Unternehmensbewertung der letzten Runde. Bezahlt wird das höhere Risiko über Zins- und Nebenabreden, die im Einzelfall verhandelt werden. Wirtschaftlich liegt Venture Debt zwischen Eigenkapital und besichertem Bankkredit und teilt diesen Platz mit Mezzanine. Neben diesen Wegen steht die Forschungszulage, die Entwicklungsaufwand ohne Anteilsabgabe und ohne Kapitaldienst entlastet; sie ersetzt keine Runde, verlängert aber die Reichweite der vorhandenen Mittel.
Warum ein Scale-up nicht bankfähig ist im klassischen Sinn
Die Kreditprüfung leitet die Kapitaldienstfähigkeit aus Vergangenheitszahlen ab. Bei einem Scale-up ist das Ergebnis wachstumsbedingt negativ oder gerade erst positiv, das Anlagevermögen als Sicherheitenbasis fällt gering aus, und der operative Cashflow ist über Jahre hinweg planmäßig negativ. Eine Kapitaldienstdeckung im üblichen Sinn lässt sich daraus nicht ableiten. Der Kapitaldienst muss deshalb aus einer bereits gesicherten Finanzierungsrunde oder aus wiederkehrenden Erlösen kommen, die vertraglich unterlegt sind. Wer beides nicht darstellen kann, finanziert die Wachstumsphase über Eigenkapital und nicht über Kredit; keine Fremdkapitalstruktur ersetzt eine fehlende Deckungsquelle.
Aufsichtsrechtlich kommt die Offenlegungspflicht hinzu. Nach § 18 Absatz 1 Satz 1 KWG muss ein Institut sich die wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen lassen, insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse, wenn der Kredit 1.500.000 Euro oder 10 Prozent des Kernkapitals des Instituts überschreitet; maßgeblich ist der niedrigere Wert. Die Schwelle von 1.500.000 Euro gilt in der Fassung vom 31.03.2026, zuvor lag sie bei 750.000 Euro. Für ein Scale-up bedeutet das: Ab dieser Größenordnung wird die Bank Abschlüsse verlangen, die den Wachstumsverlust zeigen. Das ist kein Ausschlussgrund, verschiebt die Bonitätsbeurteilung aber auf Planzahlen, Kapitaltabelle und Investorenzusagen, die alle nachprüfbar unterlegt sein müssen.
Die Förderkredite spiegeln dieselbe Logik in ihren Zugangsvoraussetzungen. Der ERP-Förderkredit KMU (366) verlangt mindestens zwei Jahre Markttätigkeit (KfW-Merkblatt 366, Stand 01.09.2026). Der ERP-Förderkredit Innovation (513/514) setzt in der Regel fünf Jahre voraus und öffnet sich jungen forschungsintensiven Unternehmen nur über eine ausdrückliche Ausnahme: noch keine sieben Jahre am Markt und Forschungs- und Entwicklungsaufwand von mindestens 5 Prozent der Betriebskosten in einem der drei vorangegangenen Geschäftsjahre (KfW-Merkblatt 514, Stand 23.04.2026). Beide sind Förderdarlehen im Hausbankverfahren; die Hausbank haftet mit, im Fall von 366 und 514 zu 50 Prozent freigestellt, und prüft entsprechend.
Die Bausteine des Bundes, Stand September 2026
Der Bund greift in dieser Phase über zwei Ebenen ein, den Zukunftsfonds und seit Dezember 2025 den Deutschlandfonds. Der Zukunftsfonds stellt 10 Milliarden Euro neue Mittel bereit und soll bis 2030 zusammen mit privaten Partnern mehr als 30 Milliarden Euro mobilisieren (BMWE, Der Zukunftsfonds, Stand 17.12.2024).
| Baustein | Volumen | Zielgruppe und Weg | Stand |
|---|---|---|---|
| Venture Tech Growth Financing (803/866) | KfW-Risikoanteil 0,5 bis 125 Mio. € | junge Technologieunternehmen mit Sitz in der EU und mindestens einer deutschen Niederlassung, mehrheitlich in Privatbesitz, mit beteiligtem Wagniskapitalgeber; Zugang über den privaten Kreditgeber | Merkblatt 07/2025 |
| ERP-VC-Fondsinvestments und Zukunftsfonds-Wachstumsfazilität | bis 25 Mio. € je Fonds, spätphasig bis 50 Mio. €, kombiniert bis 75 Mio. € | Venture-Capital-Fonds, nicht Unternehmen; höchstens 19,99 Prozent der Kapital- und Stimmrechtsanteile | Juni 2025 |
| Wachstumsfonds Deutschland | 1 Mrd. € | Dachfonds mit über 20 institutionellen Investoren neben Bund und KfW Capital; rund 850 Mio. € auf 42 Zielfonds zugesagt | Closing 22.11.2023, Investitionsstand 26.02.2026 |
| European Tech Champions Initiative (ETCI) | bis 3,9 Mrd. € | Dachfonds des EIF für rund 15 wachstumsstarke VC- und PE-Fonds, getragen von sechs Mitgliedstaaten; 3,5 Mrd. € investiert, 47 Unternehmen | 31.08.2026; ETCI 2.0 seit 10.07.2026 |
| High-Tech Gründerfonds IV | 493,8 Mio. € | Seed, nicht Wachstumsphase: bis 1 Mio. € im Erstticket, bis 4 Mio. € über alle Runden, Unternehmen jünger als drei Jahre | Final Closing 28.02.2023 |
| Scale-up Direct im Deutschlandfonds | 10 bis 50 Mio. € je Unternehmen, rund 1 Mrd. € bis 2030 | innovative Technologieunternehmen ab Series B mit Sitz oder Geschäftsschwerpunkt in Deutschland; Ko-Investment neben einem Fondsmanager aus dem Portfolio von KfW Capital | 25.08.2026 |
| WIN 400 im Deutschlandfonds | bis 400 Mio. € | Investitionen in innovative Venture-Capital-Fonds | Start Juli 2026 |
Der High-Tech Gründerfonds steht in dieser Aufstellung ausdrücklich als Abgrenzung. Er ist der vom Bund getragene Seed-Investor, im vierten Fonds mit 47 Investoren, darunter das Bundeswirtschaftsministerium, KfW Capital und 45 private Unternehmen, adressiert aber Unternehmen, die jünger als drei Jahre sind. Ein Scale-up hat diese Phase hinter sich und findet dort keinen Erstzugang mehr, sondern allenfalls eine Folgefinanzierung aus einem bestehenden Engagement.
Praktisch entscheidend ist der Zugangsweg. Bei Scale-up Direct ist eine direkte Kontaktaufnahme mit KfW Capital nach dessen eigener Programmbeschreibung nicht möglich: Das Ko-Investment läuft über einen Fondsmanager aus dem Portfolio, die Runde braucht einen externen Lead-Investor, der die Bewertung setzt. Beim Venture Tech Growth Financing tritt die KfW pari passu neben einen privaten Kreditgeber, Zielverhältnis 50:50; der Anteil der öffentlichen Hand einschließlich KfW darf zwei Drittel der Finanzierung nicht überschreiten, und die KfW übernimmt die vom privaten Kreditgeber vereinbarten Konditionen (KfW-Merkblatt 803/866, Stand 07/2025). Für ein einzelnes Scale-up heißt das durchgehend: Die Mittel kommen über einen Fonds, eine Bank oder einen Lead-Investor, nie über einen Direktantrag beim Bund.
Wie groß der öffentliche Hebel tatsächlich ist, lässt sich beziffern. KfW Capital sagte 2025 rund 748 Millionen Euro zu, davon 383 Millionen Euro in 21 europäische Venture-Capital-Fonds aus eigenen Programmen und 363 Millionen Euro treuhänderisch für den Bund aus dem Zukunftsfonds; seit 2018 summieren sich die Zusagen auf rund 2,9 Milliarden Euro in 153 Fonds mit rund 2.900 mittelbar erreichten Unternehmen (KfW, Pressemitteilung vom 26.02.2026). Die private Seite hat sich in der WIN-Initiative gebunden: 12 Milliarden Euro bis 2030, davon bis Ende 2025 bereits 2,64 Milliarden Euro investiert, 61 Prozent davon in Deutschland und 67 Prozent in Scale-ups (Bundesfinanzministerium, Pressemitteilung vom 28.04.2026).
Beratung und Volumen
Peak Advisors berät Scale-up-Vorhaben ab 250.000 Euro Vorhabensvolumen. Die Schwelle liegt unterhalb der staatlichen Venture-Debt-Bausteine, deren KfW-Risikoanteil erst bei 0,5 Millionen Euro beginnt, und unterhalb von Scale-up Direct mit einem Mindestticket von 10 Millionen Euro. Sinnvoll ist der Einstieg, solange die Kapitaltabelle und die Sicherheitenlage noch gestaltbar sind, also vor der nächsten Runde und nicht während ihrer Verhandlung. In der Due Diligence der Gegenseite fallen Altlasten aus früheren Runden auf, Wandeldarlehen, Liquidationspräferenzen und Vetorechte, und sie sind dann nicht mehr wohlfeil zu bereinigen. Der Überblick über die Bausteine gehört in den größeren Zusammenhang der Unternehmensfinanzierung, weil ein Scale-up im Regelfall mehrere Ebenen gleichzeitig bedient.
Wo die Belege enden
Eine amtliche Definition des Scale-ups gibt es nicht, und keine Erhebung weist die Gruppe gesondert aus; die Eurostat-Abgrenzung des schnell wachsenden Unternehmens ist die einzige belegte Näherung. Für Venture Debt veröffentlicht keine Stelle eine Zusagequote, eine Marktgröße für Deutschland oder eine Statistik über übliche Warrant-Anteile. Auch zum Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital in der Wachstumsphase veröffentlicht keine Institution einen Zielwert. Konditionen nennen wir nicht: Zins und Nebenabreden setzt der jeweilige Kapitalgeber, bei Venture Tech Growth Financing ausdrücklich der private Kreditgeber.
Klären Sie vor jedem Gespräch, welchen Engpass Sie eigentlich finanzieren. Ist es Anlagevermögen, trägt ein besichertes Darlehen. Ist es die Vorfinanzierung von Wachstum bei bereits gesicherter Investorenbasis, kommt Venture Debt in Betracht. Ist es eine Lücke im Geschäftsmodell, hilft keine Fremdkapitalstruktur, sondern nur Eigenkapital. Bereiten Sie für Venture Debt dieselben Unterlagen vor wie für eine Bank, ergänzt um die Kapitaltabelle und die Verträge der letzten Runde. Rechnen Sie damit, dass der Weg zu den Bundesbausteinen immer über einen Dritten führt, über die Hausbank, einen Fondsmanager oder den Lead-Investor der Runde. Peak Advisors sortiert diese Bausteine ab einem Volumen von 250.000 Euro und bevor das erste Term Sheet verhandelt wird, weil die Reihenfolge der Zusagen später kaum noch änderbar ist.
Häufige Fragen
Ab wann gilt ein Unternehmen als Scale-up?
Eine gesetzliche Definition gibt es nicht, und keine amtliche Statistik führt Scale-ups als eigene Kategorie. Statistisch nutzbar ist die Abgrenzung des schnell wachsenden Unternehmens von Eurostat und OECD: mindestens 10 Beschäftigte zu Beginn und mehr als 10 Prozent durchschnittliches jährliches Beschäftigungswachstum über drei Jahre (Eurostat, abgerufen 08.09.2026). Angaben von 20 Prozent gehen auf das Eurostat-OECD-Handbuch von 2007 zurück; die Schwelle wurde später gesenkt.
Warum widersprechen sich die Start-up-Definitionen?
Weil jede Erhebung eigene Merkmale setzt. Der Deutsche Startup Monitor des Startup-Verbands zählt Unternehmen unter zehn Jahren, die innovativ arbeiten oder Wachstum anstreben, KfW Research setzt fünf Jahre seit Gründung an. Nach der weiten Selbsteinschätzung nennen 27 Prozent der Gründerinnen und Gründer ihr Unternehmen ein Start-up, nach enger Definition erfüllen 6 Prozent die Merkmale (KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 483, 20.01.2025).
Warum finanzieren Banken Scale-ups zurückhaltend?
Die Kreditprüfung leitet die Kapitaldienstfähigkeit aus Vergangenheitszahlen ab. Bei einem Scale-up ist das Ergebnis wachstumsbedingt negativ, das Anlagevermögen als Sicherheit gering. Der Kapitaldienst muss deshalb aus einer gesicherten Finanzierungsrunde oder aus vertraglich unterlegten wiederkehrenden Erlösen kommen. Ab 1.500.000 Euro oder 10 Prozent des Kernkapitals verlangt § 18 Absatz 1 KWG zudem die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere der Jahresabschlüsse; die Schwelle gilt in der Fassung vom 31.03.2026.
Was ist Venture Debt und wie unterscheidet es sich von einem Bankkredit?
Venture Debt ist Fremdkapital für Unternehmen, die keine Kapitaldienstfähigkeit im klassischen Sinn nachweisen. Vergeben wird es nicht gegen Sicherheiten, sondern gegen die vorhandene Eigenkapitalausstattung und die Qualität der beteiligten Investoren. Es verwässert die Anteile nicht oder nur über Optionskomponenten. Der Preis für das höhere Risiko liegt in Zins- und Nebenabreden, die im Einzelfall verhandelt werden.
Welche Bausteine des Bundes gibt es für die Wachstumsphase?
Aus dem Zukunftsfonds mit 10 Milliarden Euro stammen das Venture Tech Growth Financing (803/866) mit einem KfW-Risikoanteil von 0,5 bis 125 Millionen Euro, die ERP-VC-Fondsinvestments und die Zukunftsfonds-Wachstumsfazilität mit bis zu 75 Millionen Euro je Fonds sowie die European Tech Champions Initiative mit bis zu 3,9 Milliarden Euro. Aus dem Deutschlandfonds kommen seit Dezember 2025 Scale-up Direct mit Tickets von 10 bis 50 Millionen Euro und WIN 400 mit bis zu 400 Millionen Euro hinzu.
Kann ein Scale-up direkt beim Bund Kapital beantragen?
Nein. Der Wachstumsfonds Deutschland mit 1 Milliarde Euro und die ERP-VC-Fondsinvestments gehen in Fonds, nicht in Unternehmen. Bei Scale-up Direct schließt KfW Capital eine direkte Kontaktaufnahme ausdrücklich aus; das Ko-Investment läuft über einen Fondsmanager aus dem eigenen Portfolio und setzt einen externen Lead-Investor voraus. Beim Venture Tech Growth Financing führt der Weg über den privaten Kreditgeber, der die KfW hinzubittet.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz, § 18 KWG, Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, Fassung 31.03.2026, abgerufen 11.09.2026 Quelle
- KfW, Merkblatt Kredit Nr. 803/866, Venture Tech Growth Financing, Stand 07/2025 Quelle
- KfW, Merkblatt Kredit Nr. 366, ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung, Stand 01.09.2026 Quelle
- KfW, Merkblatt Kredit Nr. 514, ERP-Förderkredit Innovation mit Haftungsfreistellung, Stand 23.04.2026 Quelle
- Umweltpakt Bayern, Förderfibel, ERP-Förderkredit Digitalisierung und Innovation, Ablösung der Programme 380 und 360/361/364, Stand 04.07.2025 Quelle
- Förderdatenbank des Bundes, ERP-VC-Fondsinvestments und Investition im Rahmen der Zukunftsfonds-Wachstumsfazilität, Stand Juni 2025 Quelle
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Der Zukunftsfonds, 10 Mrd. Euro, Stand 17.12.2024 Quelle
- KfW, Pressemitteilung, Final Closing Wachstumsfonds Deutschland, 1 Mrd. Euro, 22.11.2023 Quelle
- KfW, Pressemitteilung, KfW Capital 2025: kontinuierliche VC-Investitionen, 26.02.2026 Quelle
- KfW, Der Deutschlandfonds, Bausteine Scale-up Direct und WIN 400, Stand 25.08.2026 Quelle
- KfW Capital, Scale-up Direct (Deutschlandfonds), Tickets 10 bis 50 Mio. Euro, abgerufen 08.09.2026 Quelle
- Bundesministerium der Finanzen, Pressemitteilung, WIN-Initiative: 2,64 Mrd. Euro investiert, 28.04.2026 Quelle
- European Investment Fund, European Tech Champions Initiative, Overview, Stand 31.08.2026 Quelle
- High-Tech Gründerfonds, Final Closing HTGF IV, 493,8 Mio. Euro, 28.02.2023 Quelle
- BVK, Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt im Jahr 2025, Charts, Stand März 2026 Quelle
- KfW Research, KfW-Venture-Capital-Dashboard Q4 2025, Datenstand 05.01.2026 Quelle
- EY, Startup-Barometer Deutschland, erstes Halbjahr 2026, 22.07.2026 Quelle
- Eurostat, Statistics Explained, High-growth enterprises, Definition, abgerufen 08.09.2026 Quelle
- KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 483, Start-ups: Leicht gesagt, aber schwer zu fassen, 20.01.2025 Quelle
Alle Angaben mit Stand 07.09.2026. Diese Seite erklärt Begriffe und Mechanik, sie ersetzt keine Beratung im Einzelfall.